Meine Einschätzung zu den aktuellen Berichten zum Thema „Risiken der KI“ / „Ankündigung großer Tech-Firmen, die KI-Kapazitäten drosseln zu müssen“

Vorab: ich möchte hiermit ausdrücklich NICHT zu irgendwelchen Bitte-teilen-Kettenbriefen aufrufen oder mich an einer Panik-Mache, noch an einer Verharmlosung beteiligen, sondern einfach meine technische Einordnung als Informatiker zu diesen Berichten anbieten.

DIESER BEITRAG SOLL ALSO LEDIGLICH DABEI HELFEN, DIE AKTUELL IN DEN MEDIEN SO MISSVERSTÄNDLICH AUFBEREITETEN BERICHTE RICHIG EINZUORDNEN.

Was erst einmal wichtig ist: Unterscheidung der beiden aktuellen Themen, denn es werden derzeit zwei ganz unterschiedliche Themen vermischt:

1.) Strombedarf und Engpässe:
Die KI-Technologie benötigt sehr große Mengen Energie und das führt derzeit zu Maßnahmen, um potentielle Engpässe zu vermeiden. Dabei beziehen sich diese Maßnahmen auf die Versorgung der Rechenzentren, nicht auf die allgemeine Verfügbarkeit von Energie / Strom.

2.) Das Entwicklungstempo der KI. Hier ist meiner Meinung nach tatsächlich ein besonderer Effekt entstanden: Jede KI braucht zunächst eine Art Trainingsphase, oder anders ausgedrückt: sie braucht eine Reihe von Beispielen, um daraus Ableitungen treffen zu können. Diese Trainingsphase ist von Menschen gesteuert worden und konnte damit auch Grundwerte festlegen. Große Tech- und KI-Anbieter haben nun bereits weiterentwickelte KI-Systeme damit beauftragt, neue KI-Systeme zu trainieren.

Damit hat die Entwicklungsgeschwindigkeit von KI-Systemen so zugenommen, dass es einfach schwer vorhersagbar geworden ist, die Qualität, aber auch die Eigenständigkeit von KI-Systemen der nächsten Generationen zu bestimmen. Das nennt man „Recursive Self-Improvement (RSI)“ oder „selbstreferenzielle KI-Entwicklung“ und das stellt – meiner Meinung nach – tatsächlich eine Unsicherheit im Umgang mit der KI dar. Das Risiko besteht darin, dass das System Fähigkeiten entwickelt oder Trainingsentscheidungen trifft, die für menschliche Entwickler mit dem sogenannten „Blackboxtest“ (dem Überprüfen auf plausible Ergebnisse) nicht mehr nachvollziehbar sind.

Wie derzeit Medien mit reißerischen Schlagzeilen wie „KI legt Infrastruktur lahm“ die beiden Themen vermischen, halte ich wirklich nicht für hilfreich.

Was bedeutet jetzt gerade der zweite Punkt (also KI-Systeme, die selbst KI-Systeme erstellen) für die Nutzung von KI (nochmal ganz deutlich: aus meiner Sicht!):

Bei jeder Nutzung von KI-Systemen sollte man den Menschen(verstand) nicht aus der Abarbeitungskette herausnehmen – oder einfach formuliert:

Die KI soll unterstützen, aber nicht entscheiden.

Das gilt für kleine Hilfestellungen der KI, wie zum Beispiel das Formulieren eines Briefes, bis hin zur Programmierung von Software.

Und was ist jetzt mit Schlagzeilen wie „Die KI kann die Menschheit auslöschen“, wie es der Chef von OpenAI / ChatGPT selbst mal gesagt hat?

Ja, das ist unter extremen Voraussetzungen vorstellbar. Aber um es Sheldon aus der TV-Serie Big Bang Theory zu sagen: „Da ist es ja wahrscheinlicher, dass das Hubble-Teleskop im Zentrum eines schwarzen Loches ein Männchen entdeckt, das mit der Taschenlampe unter dem Arm eine Sicherung wechselt.“

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.